Dimensionierung von Lehren

Das Zusammenwirken und die Wechselbeziehungen von Maß-, Form- und Lageabweichungen an den geometrischen Merkmalen der Bauteile bestimmen die Bauteilfunktion und die Fügbarkeit der Teile in der Montage. Dem wurde in den Normen zur Geometrischen Produktspezifikation und -prüfung (GPS-Normen) durch die Tolerierungsaspekte Unabhängigkeitsprinzip, Hüllprinzip, Maximum-Material-Prinzip und Minimum-Material-Prinzip für den Zusammen­hang zwischen Maß, Form und Lage Rechnung getragen.
Der Einsatz von Lehren zur Prüfung der Einhaltung der Hüll­bedingung sowie der Maximum-Material-Bedingung unmittel­bar in der Fertigung ist oft einfacher und sicherer als die mess­technische Erfassung der Paarungsgeometrie mit Koordinaten­messgeräten. Maßliches Prüfen durch Lehren ist "vorweg­genommene Montage" und sichert die vollständige Austausch­barkeit der Bauteile. Voraussetzung ist, dass der attributive Prüfprozess Lehren "qualitätsfähig" ist.
  • Inhalt

    1. Tag
    • Einsatzmöglichkeiten und Anwendungsgrenzen der Werkstück­prüfung durch Lehren - Stand der Normung
    • Maßdefinitionen nach DIN EN ISO 286, DIN ISO 2768, DIN EN ISO 14405-1, DIN EN ISO 2692 (theoretische Maße an der Nenn­geometrie, Maße am Werkstück und ihre Bedeutung für das maßliche Prüfen durch Messen und Lehren)
    • Anforderungen an Lehren nach DIN 2239 und DIN EN ISO 1938-1
    • Tolerierungsgrundlagen für die Lehren­gestaltung und -dimensionierung: Hüllbedingung, Maximum-Material-Bedingung (MMR), Minimum-Material-Bedingung (LMR)
    • Gestaltung, Bemaßung und Tolerierung von Lehren der Längenprüftechnik für Pass­maße mit Hüllbedingung nach dem Taylorschen Grundsatz
    • Arbeitsbeispiele und Praktikum zur Gestaltung und Tolerierung von Lehren der Längenprüf­technik für Rund- und Flachpassungen nach DIN 2249, DIN 2259 u. a.
    2. Tag
    • Gestaltung, Bemaßung und Tolerierung von "Funktions­lehren" für die Prüfung der Paarungsgeometrie von Montagebauteilen bei MMR-tolerierten Form-, Richtungs- und Ortsabweichungen
    • Arbeitsbeispiele und Praktikum zur Gestaltung, Bemaßung und Tolerierung von Funktionslehren
    • Theoretische Grundlagen zur Eignungsuntersuchung attributiver Prüfprozesse - Abriss
  • Zielgruppe

    Mitarbeiter, die Lehren zur Werkstückprüfung konstruieren, berech­nen, einsetzen und metrologisch überwachen müssen.

  • Seminarziel

    Ziel des Seminars ist es, die Teilnehmer mit den Grundlagen der Gestaltung, Bemaßung und Tolerierung von Lehren zur Prüfung von Passmaßen sowie von Funktionslehren zur Prüfung von maßabhängigen Form- und Lageabweichungen auf der Grundlage der aktuellen GPS-Normen vertraut zu machen. Gab es bis 2017 mit der DIN 7150-2 eine ausschließlich nationale Sicht auf die Dimensionierung und Gestaltung von Lehren für Größenmaße, ist mit der DIN EN ISO 1938-1 nun eine internationale Norm bereitgestellt worden. Die Neuerungen dieser Norm für die Lehrengestaltung werden im Seminar vorgestellt.
    Die Teilnehmer sollen befähigt werden, aus der Bemaßung und Tolerierung die Lehrenkontur und die Lehrenmaße abzuleiten. Anhand der im Seminar vorgestellten Berechnungsgleichungen und zahl­reicher Tolerierungsbeispiele werden die Teilnehmer in die Lage versetzt, die Zusammenhänge bei der funktions- und montage­orien­tierten Werkstückprüfung durch Lehren kon­struktiv und prüftechno­logisch im Unter­nehmen umzusetzen.
    Die Teilnehmer erlangen Grundkenntnisse, den attributiven Prüf­prozess "Lehren" zu analysieren und anhand anerkannter doku­mentierter Verfahren die "Lehrenfähigkeit" nachzuweisen.
    (Für die Vertiefung dieses Wissens wird auf das Seminar 030-FMT verwiesen.)
  • Organisatorisches

    Seminardauer: 2 Tage, jeweils von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr

    Leistungsumfang und Teilnahmegebühr: Einschließlich ausführlicher Seminarunterlagen, gastro­no­mischer Verpflegung und Teilnahme­bestätigung 950,- EUR zzgl. MwSt.
    Für ein In-House-Training unterbreiten wir Ihnen gern ein Angebot.